Die Welt mit anderen Augen sehen

Sehen ist für Sehende selbstverständlich und im Alltag wird einem kaum bewusst, was es bedeuten würde, nicht oder viel weniger zu sehen. Denn man benutzt die Augen ja nicht bewusst, und das obwohl jede Bewegung oder Handlung ohne die Fähigkeit zum klaren Sehen stark beeinträchtigt wäre. Letztens habe ich auf einer Reise nach Thailand eine Klinik besucht, in der es um die Heilung und Operation von Augenerkrankungen der Einheimischen ging. Die Arbeit der dort arbeitenden, freiwillig und unentgeltlich beschäftigten Ärzte hat mich sehr beeindruckt.

Kleiner Eingriff, große Wirkung

Die meisten Mediziner, die dort arbeiteten, verbrachten ihren Jahresurlaub in dieser schlecht ausgerüsteten Klinik. Sie operierten einfache Eingriffe, die aber den Unterschied zwischen blind und sehend ausmachen können – und das am laufenden Band. Fast 15 Patienten am Tag wurden so von ihrer Amblyopie, der Schwachsichtigkeit durch die Flussblindheit oder den grauen Star befreit. Sie kommen mit starken Sehbeeinträchtigungen in die Klinik und müssen teilweise lange Wartezeiten in Kauf nehmen, werden dann aber kostenlos behandelt. Manche kommen fast blind und gehen wieder mit einem normalen Sehvermögen. Dafür erhalten die Mediziner zwar keinen Pfennig Lohn, sondern zahlen durch mitgebrachtes Material und den Flügen wie der Unterkunft noch aus eigener Tasche drauf. Dass aber die Patienten durch ihre Hilfe wieder sehen und demzufolge ein normales Leben führen können, ist den meisten Lohn genug. Die Menschen kommen jedenfalls jedes Jahr zu Hunderten in die Klinik der deutschen Ärzte, der Bedarf scheint noch immer riesig zu sein.

Frühzeitige Hilfe wichtig

Normale Fehlsichtigkeiten wie Schielen und Kurz- oder Weitsichtigkeit können nur korrigiert und behandelt werden, wenn sie frühzeitig entdeckt werden. Daher bieten die Augenärzte aus Deutschland in der Klinik auch kostenlose Vorsorgeuntersuchungen für die ganz Kleinen an. Da das nicht weh tut und die Kinder die Untersuchungen lustig finden, ist das ein besonders schöner Teil der Arbeit der Gäste. Auch geben sie Fortbildungen für die einheimischen Dorfleiter und die Mütter. So haben sie eigens ein Erste-Hilfe-Set entwickelt, mit denen man auch weit entfernt vom nächsten Arzt erste Sofortmaßnahmen zum Schutz des Augenlichts selbst durchführen kann, z.B. bei Stichverletzungen, Verbrennungen oder einer Verätzung. Auch stechende Insekten können die Sehkraft gefährden, wenn sie zu nah am Auge oder dem Sehnerv zustechen. Dafür gibt es Augentropfen, die in dem Ersthelferset enthalten sind und die das Auge reinigen und desinfizieren sollen. Die Hoffnung ist, dass durch eine Aufklärung und Ausbildung der Thailänder in diesen entlegenen Gebieten in Zukunft weniger Operationen und Behandlungen durch deutsche und europäische Ärzte notwendig sein werden.

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